DTM-Kolumne von Timo Scheider über goldene Zeiten und geile Autos

Liebe Motorsport-Freunde, liebe DTM-Fans,

die DTM reist zum zweiten Rennwochenende nach Zolder. Zurück zu ihren Wurzeln. Dorthin, wo 1984 mit dem ersten Rennen überhaupt alles begann. Vor 35 Jahren also. Seitdem ist unfassbar viel passiert, es war ohne Frage ein wilder Ritt durch die Jahrzehnte, mit Höhen und Tiefen. Deshalb ist es ein guter Zeitpunkt, um einmal kurz zurückzublicken. Inne zu halten und die große Historie ein wenig Revue passieren zu lassen. Um gleichzeitig einen Blick in die Zukunft zu werfen.

Meine persönlichen ersten Erinnerungen an die DTM stammen noch aus den späten 80er Jahren. Der Ford Sierra Cosworth von Klaus Ludwig. Schwarz im leuchtenden Texaco-Design. Oder der Ford Sierra Cosworth von Manuel Reuter, in Schwarz mit neon-grüner Lui-Werbung. Diese Bilder kommen mir sofort in den Kopf, das waren die geilsten Autos. In jungen Jahren entscheidet ja sowieso oft die Optik und nicht unbedingt die Performance oder der Fahrer.

Die goldenen Zeiten der alten Recken in den 80er und 90er Jahren waren sowieso sehr geil, die haben mich emotional richtig gepackt. Damals waren es Autos mit wenig Technik, aber mit Typen, die gesagt haben, was sie dachten, die gemacht haben, was sie wollten. Das war vielleicht nicht immer richtig, dafür aber saulustig. Das war eine coole Zeit, wo man so sein konnte, wie man wollte. Was ich heute vermisse: Die Leidenschaft für eine Marke oder für einen Fahrer, wie es sie früher gab.

Spezielle Erinnerungen

Auch an Zolder habe ich spezielle Erinnerungen. 1994 durfte ich das Auto von Nick Heidfeld in der Formel Ford testen, das war mein Sprung aus dem Go-Kart ins Automobil. Und 1995 bin ich in Zolder mein erstes Formel-Renault-Rennen gefahren und bin Zweiter geworden.

Angesichts der tollen Erinnerungen muss ich sagen: Die Zeiten waren schon mal besser als heute. Ich bin froh, dass ich nicht mehr 20 Jahre alt bin und versuchen muss, meine Karriere aufzubauen. Ich selbst habe von 2000 an in der DTM als Fahrer eine tolle Zeit selbst miterlebt und mitgeprägt, umgekehrt hat die DTM auch mich dazu gemacht, was ich heute bin. Danach ist die Serie aber in unruhiges Fahrwasser geraten.

Keine Frage: Ich halte die DTM für die beste Tourenwagenserie, die es auf der Welt gibt. Die DTM hat sich unter Gerhard Berger globaler und breiter aufgestellt, sie ist ein tolles Produkt und ich wünsche mir, dass es sie auch noch mindestens 35 weitere Jahre geben wird.

Zumal sie in der neuen Saison auch sportlich eine Wundertüte mit vielen Fragezeichen ist. Vom Bauchgefühl her sind Audi und BMW gleichauf. Mich würde es freuen, wenn Aston Martin wie in Hockenheim überraschen könnte.

Was fest steht: Zolder macht im DTM-Auto echt Spaß. Die Strecke ist eine Kombination aus blinden Kuppen, langsamen Ecken, die mechanisch wichtig und schnellen Ecken, die aerodynamisch wichtig sind, und damit echt Old School. Überholen wird schwierig, weshalb das Qualifying wichtig wird.

Kulinarischer Tipp: Waffeln und Pommes!

Falls Ihr in Zolder seid, ein Tipp von mir: Unschlagbar sind die Waffeln, sie sind die besten. Und natürlich traditionell die Pommes Frites. Unbedingt probieren!

In diesem Sinne: Viel Spaß in Zolder oder bei ran racing in SAT.1.

Euer Timo Scheider

Quelle: ran.de